29.04.2022

E-Mobilität: 4 praktische Reisehacks für den Urlaub mit dem E-Auto

Raus aus der Nische, weg vom reinen Zweitwagen-Image – das Elektroauto wird auch für Urlaubsreisen zunehmend relevant. Egal, ob du mit eigenem oder gemietetem E-Auto verreist – wir verraten dir 4 praktische Reisehacks mit den wichtigsten FAQs, Begriffen und Tipps. Als Jumpstart für deinen ersten E-Roadtrip!

Reisehack 1: das Reiseziel bei Reisen mit dem E-Auto

Antworten auf FAQs:

  • Wohin reisen mit dem E-Auto – Deutschland oder Europa?
  • Wie gut ist die Ladeinfrastruktur für E-Autos?

Die öffentliche Ladesäulen-Infrastruktur unterscheidet sich innerhalb Europas extrem. Ob mit einem eigenen oder gemieteten Elektrofahrzeug – die Wahl des Reiseziels ist daher entscheidend.

Was die E-Mobilität auf deutschen Straßen betrifft, geht es kräftig aufwärts. Im ersten Quartal 2022 meldete die Bundesnetzagentur über 30.000 öffentliche Ladestationen in Deutschland – 32 % mehr als im Vorjahr, die E-Autofahrern aktuell zur Verfügung stehen!

Urlaub mit dem E-Auto Elektrowagen Ladepunkte in Deutschland
Infografik: öffentliche Ladepunkte in Deutschland (Quelle: Bundesnetzagentur)

Wer einen Urlaub mit dem E-Auto plant, ist außerhalb Deutschlands bei unseren direkten Nachbarn oder weiter nördlich auf der Landkarte auch gut aufgehoben.

In skandinavischen Ländern genießen Nutzer von Elektroautos außerdem weitere Vorteile: So zahlen Autofahrer für Elektro- und Wasserstoff-Fahrzeuge in Norwegen deutlich weniger Maut, E-Camper über 3,5t sind vollständig von der Mautpflicht befreit.

Beliebte Sommerdestinationen wie Spanien und Italien hinken bei der Ladestationen-Infrastruktur noch hinterher. Lokale Anbieter, wie zum Beispiel der italienische Energieversorger Enel X, rechnen jedoch mit 14.000 neuen Schnellladesäulen bis Ende 2022 an den Fernstraßen.

Größere Städte sind in dieser Hinsicht allgemein besser aufgestellt. Bei City-Trips sind auch Carsharing-Anbieter mit Elektro-Auto-Flotte eine Alternative.

Im Europa-Vergleich: Top 5 Destinationen beim Ausbau der E-Autos

Rund 71 Prozent aller E-Ladepunkte in Europa verteilen sich auf fünf Länder: 

  • die Niederlande als Spitzenreiter,
  • Deutschland,
  • Frankreich,
  • das Vereinigte Königreich und
  • Norwegen.
Infografik E-Ladepunkte Europa
Infografik E-Ladepunkte in Europa (Quellen: EAFO, Nationale Registrationsstellen – 2021)

Slow Travel mit dem E-Auto:

  • Wähle ein Reiseziel mit einem guten Netz an Ladestationen für deinen E-Roadtrip.

  • Für den ersten Urlaub ist eine Reise innerhalb Deutschlands oder in die Nachbarländer optimal.

  • Weniger ist mehr! Statt viele Kilometer in kurzer Zeit abzufahren, fokussiere dich auf ein regional kleineres Urlaubsgebiet. Du gewinnst: Mehr Nachhaltigkeit und Quality Time für deine Urlaubszeit!

  • Für den Urlaub bieten sich auch kombinierte Fahrten mit Anreise per Zug und Miet-E-Auto oder Carsharing E-Auto vor Ort an.

Reisehack 2: Die Unterschiede in Ausstattung und Ladesystem der E-Autos

Antworten auf FAQs:

  • Reichweite des E-Autos: Wie oft muss man laden?
  • Welche Ladeoptionen gibt es?
  • Kann ich am Campingplatz über die Außensteckdose laden?

Vom Kleinwagen bis zu einem komfortablen SUV – neben dem Pionier Tesla gibt es mittlerweile verschiedene E-Auto-Modelle auf dem Markt. Die Reichweiten werden zunehmend größer – als Richtwert gelten ca. 300 Km bei Kleinwagen, größere Fahrzeuge erreichen sogar 400 bis 700 km. Doch leider gibt es kein einheitliches Ladesystem für die E-Autos weltweit.  

Für die Reiseplanung ist es daher wichtig, nicht nur die Zwischenstopps samt Strecke zu planen, sondern auch die Voraussetzungen der Ladestationen für das gewählte E-Wagen-Modell zu prüfen. Nicht jedes Fahrzeug kann mit jeder beliebig hohen Ladeleistung geladen werden.

Im öffentlichen Bereich gibt es klassische Ladesäulen (AC)* und Schnellladesäulen (DC)* für E-Autofahrer. Je nach Autotyp dauert die Ladung im ersten Fall rund 2-4 Stunden, während an einer Schnellladesäule mit ca. 30 Minuten der Akku wieder fix aufgeladen ist. Zum Vergleich: An der heimischen Wallbox (Steckdose für E-Autos) dauert es mit rund 10 Stunden Ladezeit noch einmal deutlich länger.

Auf längere Strecken mit E-Auto vorbereiten:

  • Prüfe das Stecker- und Anschlusssystem deines Autos genau. Welche Ladeoptionen (für AC- und DC-Tankstellen) kannst du unterwegs nutzen?

  • Plane am besten fixe öffentliche Ladepunkte für deine Route ein. Schnell ist nicht immer das Beste. Grundsätzlich ist langsames Laden batterieschonender.

  • Nicht jedes E-Auto ist für die Schnellladung ausgestattet– es kann auch lediglich die technische Voraussetzung dafür besitzen und muss evtl. erst nachgerüstet werden. Und: Besonders in dörflichen Gebieten in Südeuropa ist das Stromnetz teilweise veraltet und nicht für leistungsstarke E-Autos ausgelegt.

  • Für Tesla-Fahrer: Europäische Tesla-Modelle können problemlos an den Tesla-eigenen Superchargern oder einer klassischen Ladesäule im Ausland geladen werden. Das gilt nicht für selbst importierte US-Modelle, da dort ein komplett anderes Stecker- bzw. Anschlusssystem genutzt wird.

  • Fahrzeuge anderer Marken können bisher nur in Niederlanden an Tesla-Supercharger-Stationen aufgeladen werden (mit CCS-Ladeanschluss*).

Außensteckdosen am Campingplatz?

Auf dem Campingplatz oder im Ferienhaus gilt: Frage vor der Nutzung der Außensteckdose lieber nach. Denn die dort üblichen CEE-Anschlüsse sind evtl. nur für die Bordversorgung des Campers, Wohnmobils oder Caravans gedacht und nicht für große 100-KWh-Akkus einiger E-Autos.

Reisehack 3: Das Aufladen und die Kosten beim E-Auto

Antworten auf FAQs:

  • E-Tankstellen: Über welche Apps finde ich den nächsten Ladepunkt?
  • Laden vor Ort: Lade- oder Kreditkarte?
  • Was kostet eine E-Tankfüllung?

Anders als bei der klassischen Urlaubsfahrt gilt es beim E-Roadtrip die Tank-Pausen als Teil der Route zu planen. Verschiedene Apps bieten Routen- und Ladeplanung in einem und zeigen häufig weit mehr Ladestationen als die Onboard-Navigation eines Auto-Navis.

Gute Apps speziell für E-Autofahrer konzipiert sind z. B.:

  • A Better Routeplanner
  • Chargemap (europaweit)
  • Moovility
  • Innerhalb Deutschlands – das Standort-Tool der Bundesnetzagentur oder EnBW

Was die Abrechnung betrifft, ist das Angebot an Ladekarten für E-Autofahrer sehr vielfältig und damit leider auch undurchsichtig. Alleine in Deutschland gibt es rund 200 Anbieter mit vielen unterschiedlichen Tarifoptionen für die Ladung über physische Karten oder App – Tendenz steigend.

Bei der Wahl des passenden Ladekarten-Anbieters hilft der Blick auf das Netzwerk: Wie groß ist das Partner-Netzwerk? Ist die Nutzung breit ausgelegt, reicht eine einzige Karte aus, um Zugang zu nahezu allen öffentlichen Ladestationen in Europa zu erhalten. Im Ausland ist das Laden meist deutlich günstiger als hierzulande.

Das Laden eines E-Autos ist aktuell günstiger als die „normale“ Tankfüllung, wenn auch hier Elektrowagen-Fahrer mit Preiserhöhungen in Zukunft rechnen müssen. Abhängig vom Abrechnungsmodell unterscheiden sich die Preise nach dem Ladebedarf zwischen Daheim- und Unterwegs-Laden.

Bei öffentlichen Normalladestationen (AC) kostet eine Kilowattstunde zwischen 30 bis 50 Cent. Die Schnellladestationen (DC) sind deutlich teurerer – je nach Ladetarif liegen die Kosten etwa bei 50 bis 80 Cent pro Kilowattstunde.

Wer einen allgemeinen Richtwert braucht: Ein voller Akku bei einem kleinen E-Auto kostet ca. 13-15 Euro, bei einem größeren Elektroauto etwa ca.  26-30 Euro.

Unterwegs mit dem Elektro-Auto:

  • Lade dir verschiedene E-Tankstellen-Apps auf dein Handy.

  • Wähle einen Ladekarten-Anbieter mit dem flexibelsten Netzwerk für deine Bedürfnisse.

  • Weniger ist mehr! Statt viele Kilometer in kurzer Zeit abzufahren, fokussiere dich auf ein regional kleineres Urlaubsgebiet. Du gewinnst: Mehr Nachhaltigkeit und Quality Time für deine Urlaubszeit!

  • Aufgepasst bei evtl. unerwünschten Ladekarten-Gebühren im Ausland (ähnlich Roaming-Gebühren) – wenn die Kosten nicht transparent sind, lieber einzelne Ladung pro Kreditkarte bezahlen.

Reisehack 4: Panne & Stau mit dem E-Auto

Antworten auf FAQs:

  • E-Tankstellen: Wie lang halten Elektro-Autos im Stau aus?
  • Hilfe bei einer E-Auto-Panne

Stau – Kälte – E-Auto? Bei ausreichend gefülltem Akku halten die E-Autos grundsätzlich im Stau problemlos auch längere Heizphasen im Stand aus. Das haben auch verschiedene Tests bestätigt.

Dennoch solltest du darauf achten, nicht auf Reserve im Winter zu fahren. Bei länger ausgelegten Staus gibt es verschiedene Tipps, wie du deinen Batterie-Verbrauch in diesen Situationen gezielt bis auf ein Heizminimum senken kannst.

Die modernen Bordcomputer der Elektro-Autos warnen allgemein sehr genau und zuverlässig bei einer knapp werdenden Batterie oder sonstigen technischen Schwierigkeiten. Bis wirklich nichts mehr geht, müsste der Fahrer mehrere Warnungen bewusst ignoriert haben.

Bei Unfall oder Panne gilt:

  • Die Reparatur eines E-Autos nur dem Fachpersonal überlassen –  die Technik von Elektro-Autos ist äußerst diffizil und arbeitet mit Starkstrom. Bei Pannenhilfe vor Ort solltest du dir die Expertise bestätigen lassen.

  • Die meisten E-Auto-Hersteller bieten eigene Pannenhotlines an, die du kontaktieren kannst. Deren Spezialisten bringen dann je nach Lage eine mobile Ladestation vorbei und laden die Batterie vor Ort wieder auf.

  • Für den Notfall kannst du auch eine mobile Ladestation im Reisegepäck dabei haben.


Häufige Begriffe beim E-Auto*:

  • Arten von E-Autos: Reine E-Autos sind die batteriebetriebenen Elektroautos (BEV).
    Plug-in-Hybride (PHEV) sind Fahrzeuge mit einem Verbrennermotor, die auch Strecken elektrisch fahren können. Sie müssen separat aufgeladen werden. Im Vergleich zu reinen E-Autos decken sie kurze Distanzen elektrisch ab (ca. 50 km).

  • Anschlüsse / Lademodi: Es gibt 4 verschiedene Lademodi bei Elektro-Autos, die vom Ladegerät definiert werden. Modus 1-3 = alternating current (AC) bzw. Wechselspannung; Modus 4 = direct current (DC) bzw. Gleichspannung.

  • Ladestationen (AC-Ladestationen und DC-Ladestationen): Ladestationen für E-Autos, die beim Tanken Gleichstrom einspeisen, nennt man Schnellladestationen (DC). Diese können höhere Ladeleistungen erzielen – die Ladezeit ist im Vergleich zu AC-Stationen deutlich kürzer. Schnellladestationen sind jedoch mit höheren Kosten verbunden und empfehlen sich daher nur bei langen Fahrten z. B. auf der Autobahn. Für den normalen Alltag eignet sich das AC-Laden.

  • CCS (= Combined Charging System): CCS-Ladeanschluss ist der neue europäische Ladestandard für Stecker und Kupplung bei E-Autos.
  • Wallbox: Eine Wallbox ist eine leistungsstarke Steckdose für das Laden von Elektroautos.

  • Ladepunkte: Ladesäulen in Ladeeinrichtungen (=Ladestationen).

Traumhafte Reiseziele gibt es nicht nur in fernen Ländern. Auch Deutschland hat viel zu bieten – lass dich für deine Urlaubsplanung oder neuen E-Roadtrip inspirieren!


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