11.08.2019

Reisedurchfall: Antibiotika sind meist nicht nötig

Kaum einer bleibt auf Reisen verschont: Reisedurchfall – das häufigste Gesundheitsproblem unterwegs. Fast jeder zweite Reisende ist betroffen, meist bei Aufenthalten in Asien, Afrika oder Mittel- und Südamerika. So unangenehm er auch ist, Reisedurchfall ist meist harmlos und klingt nach zwei bis vier Tagen von selbst ab. Umso wichtiger ist es für Reisende, nicht vorschnell zu Antibiotika zu greifen, warnen die Reisemediziner vom  CRM Centrum für Reisemedizin.

Was sind multiresistente Darmbakterien?

Unser Darm besteht aus einer Vielzahl von Bakterien. Kommt es zum Ungleichgewicht im Körper, können einige Bakterien Infektionen verursachen. Wenn dann Antibiotika in der Behandlung machtlos sind, sind sogenannte multiresistente Bakterien am Werk. Wer solche Keime in sich trägt, muss nicht unbedingt erkranken. Schwierig wird es aber, wenn man die Keime auf Menschen mit einem geschwächten Immunsystem überträgt. Diese können wegen der Resistenz des Bakteriums dann nicht richtig behandelt werden.

Antibiotika bei Reisedurchfall nur im Notfall einnehmen

„Eine Antibiotikatherapie ist bei den meisten Reisedurchfällen nicht notwendig. Nur bei schwerem Verlauf mit Fieber oder bei Vorerkrankungen ist eine Behandlung mit Antibiotika sinnvoll. In solchen Fällen sollten Reisende im Urlaubsland unbedingt einen Arzt aufsuchen.“, empfiehlt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin.

So ergab eine finnische Studie, dass jeder fünfte Reisende mit multiresistenten Darmkeimen aus Ländern mit niedrigen Hygienestandards (insbesondere Indien und Südostasien) nach Hause zurückkehrt. Vor allem bei Urlaubern, die unterwegs an Reisedurchfall erkrankten und ein Antibiotikum eingenommen haben, war das Risiko deutlich erhöht. Je nach Reiseland waren bis zu 80 Prozent von ihnen nach der Reise mit multiresistenten Darmkeimen besiedelt.

Was tun bei Reisedurchfall?

Nach einigen Tagen ist normalerweise alles wieder gut. Wichtig ist, dass du ausreichend trinkst, damit dein Körper die verlorene Flüssigkeit ausgleichen kann. Elektrolyt-Trinklösungen gibt es bereits als fertige Mischungen in der Apotheke. Wer mit Kindern verreist, sollte diese sicherheitshalber mitnehmen.

Daneben gibt es einige Medikamente, die den Körper bei der Heilung natürlich unterstützen und als Grundausstattung in jede Reiseapotheke gehören. So bist du im Notfall nicht auf Medikamente vor Ort angewiesen und gehst auch bei Inhaltsstoffen auf Nummer sicher. In Mittelmeerländern sind Durchfallmittel mit Antibiotika als „schnelle Wundermittel bei Durchfall“ im freien Verkauf beliebt. 

Rund 10% der Medikamente weltweit gefälscht

Je exotischer die Reise ist, desto besser gefüllt sollte auch deine Reiseapotheke sein. Aber auch bei entspanntem Badeurlaub am Mittelmeer lohnt es sich, bereits zu Hause vorzusorgen. Denn rund 10 % der Medikamente sollen weltweit gefälscht sein. Ob es sich um ein Placebo handelt, richtige Wirkstoffe, Farbstoffe oder Antibiotika enthalten sind, lässt sich an der Verpackung nicht feststellen. So geht man davon aus, dass ca. 1/3 der Malaria-Medikamente in Afrika und Asien gefälscht sind. Diese werden z. B. oftmals mit fiebersenkenden Mittel angereicht. Das Fieber geht zurück, die gefährliche Krankheit bleibt im Körper – ohne weitere Behandlung mit schweren gesundheitlichen Folgen.

5 Tipps, wie du auf Reisen Durchfall vorbeugst:

  • Trinke Wasser nur abgekocht oder aus versiegelten Flaschen. Sei vorsichtig auch bei offenen Säften, Eis bzw. Eiswürfel oder verzichte auf diese.
  • Achte auf die Nahrungsmittelhygiene: Esse nichts Rohes oder Ungeschältes.
  • Wasche dir regelmäßig die Hände.
  • Putze deine Zähne in Schwellen- und Entwicklungsländern mit Trinkwasser.
  • Vermeide zu viel Reisestress und achte auf Pausen.
  • Plane bei extremen Klimaveränderungen einige Ruhetage „zur Eingewöhnung“ ein.

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