29.05.2020

Mit Mobile Wallets reisen: Wie gut funktioniert das Bezahlen unterwegs?

Zahlst du lieber bar oder mit Karte? Laut einer Umfrage der Postbank zahlen 56 Prozent der deutschen Reisenden* immer noch am liebsten bar. Dabei erscheint die bargeldlose Zahlung nicht nur in Corona-Zeiten komfortabler als Scheine und Münzen mit sich zu tragen. Während bei uns kontaktlose Bankkarten das beliebte Mittel der Wahl sind, setzen in anderen Ländern Mobile Wallets neue Standards. Doch wie gut kann man sich auf Reisen auf diese verlassen? Erfahre mehr über mobiles Bezahlen und ob du schon bereit dafür bist.

Was genau ist eine Mobile Wallet?

Eine Mobile Wallet ist eine Art virtuelle Brieftasche, die über eine App auf dem Smartphone oder über Wearables wie Smartwatches bedient wird. Zum Bezahlen musst du sie mit einem Prepaid-Guthaben aufladen oder du fügst einfach die gewünschte Kreditkarte deiner Wallet hinzu. Von dieser werden die einzelnen Zahlvorgänge abgebucht.

Je nach App kannst du deiner Handy- oder Smartwatch-Wallet auch weitere Funktionen hinzufügen oder nur diese für den Anfang nutzen. So kann man Tickets, Karten, Gutscheine, Coupons, Kundenkarten oder auch Ausweise praktisch in die Wallet abspeichern und sie automatisch mit Updates aktuell halten. In den USA kann man über Wallets auch Geld an Freunde oder Familie überweisen.

Welche Mobile Wallets gibt es?

Da in Deutschland die Anzahl der Akzeptanzstellen steigt, gibt es immer mehr Händler, bei denen du mobil bezahlen kannst. Rewe, Aldi, Edeka, dm oder auch Tankstellen setzen inzwischen Kartenlesegeräte ein, die neben der kontaktlosen Bankkarte auch Smartphones oder -watches auslesen.

Egal, ob Android oder iOS: Wallet-Apps gibt es in Hülle und Fülle. Doch damit ist der Markt für Nutzer sehr unübersichtlich. Auf den ersten Blick bieten nahezu alle Banken, Kreditkartenanbieter aber auch Unternehmen wie Payback oder Samsung mobiles Bezahlen an.

Die Apple Wallet mit Apple Pay und die Google Wallet als Google Pay sind im bargeldlosen Zahlungsverkehr bei uns am meisten verbreitet. Viele Banken sind hier inzwischen integriert oder sie bieten ihre eigenen erweiterten Apps für mobiles Bezahlen an.

Weitere Apps wie „WalletPasses“, „Stocard“ (für Kundenkarten) oder „Pass2U Wallet“ verfügen zwar nicht über eine Zahlfunktion, bieten dafür aber eine Reihe anderer praktischer Features für E-Tickets, Pässe, E-Coupons oder Reiseunterlagen an.

Welche Technik steckt dahinter?

Die meisten mobilen Pay-Wallets funktionieren technisch mit NFC (Near Field Communication), einem internationalen Übertragungsstandard. Hält man das Handy oder die Uhr an das Lesegerät, erfolgt automatisch die Zahlung. Eine andere Möglichkeit zu bezahlen ist mittels QR-Code, der vom Handy angezeigt und an der Kasse eingescannt wird (das ist z. B. in China verbreitet oder bei PAYBACK PAY). Auch neue Technologien wie Bluetooth-Low-Energy (BLE) kommen zum Einsatz.

zwei Frauen im Cafe bezahlen mobil mit Smartphone

Wie gut klappt das mobile Bezahlen auf Reisen?

Daheim einchecken und das Ticket in die Wallet speichern: Weil immer mehr Menschen ihre Unterlagen digital speichern, bauen viele Airlines bereits langsam aber sicher ihre Check-in Automaten ab. Auch in den Reisezentren der Bahn und in der Bordgastronomie kann man seit kurzem mobil bezahlen. Eine fremde Stadt spontan mit dem E-Scooter entdecken? Ausleihen, bezahlen und direkt aktivieren – mit deiner Wallet eine Sache von nur ein paar Minuten. Und du hast deine Reiseausgaben über die Wallet immer im Blick. Achte beim Einrichten darauf, dass in deinen Handyeinstellung „NFC“ aktiviert ist.

Während in den skandinavischen Ländern die Nutzung der Pay-Apps weit verbreitet ist und das Reisen dadurch so schön komfortabel ist, funktioniert es in anderen Ländern vielleicht nicht immer einwandfrei. Denn nicht überall sind die Händler ausgerüstet, das Gerät vielleicht kaputt oder die Internetverbindung nicht ausreichend. Für kleinere Beträge klappt meist die Bezahlung auch ohne eine Internetverbindung, verlassen kann man sich jedoch nicht darauf.

Als Backup empfiehlt es sich daher nach wie vor eine zweite Zahlmöglichkeit oder etwas Bargeld bei sich zu haben. In Deutschland kommt es auch manchmal auf den Betrag an, wenn zum Beispiel eine Kartenzahlung – und damit auch per Handy – erst ab 10 Euro möglich ist.

Wie sicher ist das Zahlen mit Smartphone oder Smartwatch?

Die Kredit- oder Girokarte in die Wallet zu hinterlegen und damit zu bezahlen bereitet vielen Nutzern Sorge. Das fehlende Vertrauen ist einer der Hauptgründe, wieso die Nutzung in Deutschland noch verhalten ist. Grundsätzlich gelten für das mobile Bezahlen ähnliche Sicherheitsstandards wie auch beim Digital-Banking. Für die Hinterlegung der Kreditkarte nutzen Anbieter unterschiedliche Authorisierungsverfahren. Ein Missbrauch der Daten kann aber auch hier nie ausgeschlossen werden.

  • Apple: Apple Wallet ist auf allen iPhones bereits vorinstalliert. Bei der Zahlung über Apple Pay autorisierst du den Vorgang an der Kasse mit deinem Fingerabdruck oder per Gesichtserkennung. Als Zahlmittel kannst du bisher nur eine Kreditkarte hinterlegen. Noch: Denn die Sparkassen planen in den nächsten Monaten Apple Pay mit der Girokarte zu verknüpfen.
    Was die Daten anbelangt, speichert Apple nach eigenen Aussagen in den Datenschutzbestimmungen keine persönlichen Bankdaten oder Informationen der getätigten Einkäufe auf den Servern. Die Zahlvorgänge werden verschlüsselt übertragen und über Sicherheitscodes bei der Einrichtung verifiziert.
  • Google: Die Google-Wallet Google Pay, die meist auch schon auf den Android-Geräten vorinstalliert ist, lässt sich auch mit einem Paypal-Konto verknüpfen. So kannst du auch ohne Kreditkarte mit dem Smartphone gebührenfrei bezahlen. Die Zahlung wird vom Paypal-Guthaben oder Girkokonto abgebucht. Die hinterlegten Kreditkarten im Paypal-Konto funktionieren für das mobile Bezahlen bisher noch nicht. Google wickelt die Authorisierung der Zahlungen mit einen einmaligen Token ab, speichert die notwendigen Daten zwar ab, gibt diese nach eigenen Angaben aber nicht an Händler, Banken oder andere Dienstleister weiter.

Wer seine Kreditkarte nicht direkt hinzufügen kann oder möchte, hat noch eine dritte Möglichkeit: eine virtuelle Prepaid-Karte. Also eine weitere Verbindung zwischen der eigentlichen Wallet und dem Bankkonto. Deutscher Anbieter hierfür ist zum Beispiel „VIMpay“ auf Mastercard-Basis.

Welche Mobile Wallet wählen? Checkliste für deine Einrichtung:

  • Welches Betriebssystem? Google Pay funktioniert auch mit der Paypal-App; Apple Pay ist nur mit Kreditkarte möglich (für Sparkassen-Kunden demnächst auch mit Girocard). Alternativ gibt es App-Anbieter für virtuelle Kreditkarten (z. B.  „VIMpay“)
  • Welche Mobile-Banking-App bietet die eigene Bank an? Einfach prüfen und testen, welche App im Alltag besser klappt oder die besten Mehrwerte bietet.
  • Wallets ohne Zahlfunktion nutzen? Hilfreiche Features für Tickets, Karten & Co. über alternative Anbieter zu Apple- & Google-Wallet in den Stores testen.
  • Komfort und Sicherheit? Anmeldung und Bezahlvorgang müssen praktisch sein, nicht vergessen die wichtigsten Sicherheitsstandards zu prüfen.
  • Unterwegs noch eine zweite Zahlmöglichkeit zur Sicherheit dabei haben.

Welche Gebühren entstehen beim Bezahlen mit Mobile Wallets auf Reisen?

Erkundige dich unabhängig von der Mobile Wallet vorab bei deiner Bank, wie hoch die Transaktionsgebühren bei der Nutzung deiner Giro- oder Kreditkarte im Ausland sind. Denn das wird unterschiedlich gehandhabt. Was die Gebühren für das Datenvolumen für unterwegs betrifft, ist man innerhalb der EU seit dem Wegfall der Roaming-Gebühren auf der sicheren Seite. Außerhalb der EU sollte man vor der Reise die Tarife prüfen und bei Bedarf ein lokales Datenpaket für das Reiseland dazubuchen.

Was tun, wenn das Smartphone gestohlen wird?

Auf Reisen sind Dokumente, Pass und Zahlungsmittel essenziell. Nicht selten gehen diese Unterlagen verloren oder Pass und Kreditkarte werden gestohlen. Digital geschützt in einer App kommen Fremde so schnell nicht an die vertraulichen Daten.

Doch wenn des Handy gestohlen wird, ist auch die virtuelle Brieftasche weg. Achte daher darauf, dass du bei deinem Google- bzw. Apple-Konto die höchste Sicherheitsstufe eingerichtet hast. Wenn du dein Gerät verloren hast und eine Ortungsapp (z. B. „mein Iphone suchen“ bei Apple) aktiviert hast, kannst du es auf „verloren“ setzen und „mobile Pay“ vorübergehend deaktivieren.

Das ist zu tun bei Diebstahl des Handys oder der Smartwatch:

  1. SIM-Karte über den Mobilfunkanbieter deaktivieren lassen.
  2. (Virtuelle)-Bankkarte über die Bank oder zentrale Sperr­hot­line 116 116 sperren lassen.
  3. Diebstahl bei der Polizei anzeigen.

Nutzung von mobilen Wallets im Ausland: Top 5 Länder

China, USA, Großbritannien, Brasilien und Südkorea – das sind die Märkte mit den größten Wachstumsraten im mobile Payment.** Wobei die höchsten mobilen Umsätze weltweit mit Abstand auf China entfallen – mit den Marktführern WeChat und Alipay. Vor allem in Schwellenländern wie Indien oder Südafrika wird ein großes Wachstum in den nächsten Jahren erwartet. Denn die meisten Menschen besitzen dort ein Smartphone, aber oftmals keinen Computer oder Bankkonto und wickeln somit sämtliche Zahlungen mobil über Prepaid-Guthaben ab.

Infografik Mobile Wallets Reisen Nutzung
Infografik – Mobile Wallets auf Reisen

Quellen:

* Umfrage Postbank/ Kantar Emnid Emnid 2019: Bargeld auf Reisen – wichtigste Zahlungsmittel im Urlaub

** Statista Global Consumer Survey – Mobile POS Payments weltweit 2020


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